Ein Vertriebsleiter vereinbart mit einem Großkunden zehn Prozent zusätzlichen Rabatt auf eine gesamte Produktgruppe. Zwei Wochen später stellt sich heraus: Bei siebzehn Artikeln liegt der Nettopreis unter dem Einstandspreis, weil für diese Artikel bereits individuelle Vertragspreise hinterlegt waren. Der Webshop hat die Preisberechnung korrekt ausgeführt und die Bestellungen wurden ausgeliefert.
Genau hier zeigt sich, warum B2B-Pricing mehr ist als eine Preisliste. Der Preis entsteht aus mehreren Regeln, die gleichzeitig oder nacheinander greifen können. Welche Regel Vorrang hat, ob Rabatte kombiniert werden dürfen und wo die Untergrenze liegt, entscheidet darüber, ob Ihre Marge geschützt bleibt.
B2B-Pricing beschreibt die Preisbildung zwischen Unternehmen. Der Preis eines Produkts hängt dabei unter anderem von Kunde, Menge, Vertrag, Laufzeit, Produktgruppe und aktuellen Aktionen ab. Der Preis steht deshalb nicht einfach in einem einzelnen Feld, sondern wird in dem Moment berechnet, in dem ein Einkäufer sich einloggt oder einen Artikel in den Warenkorb legt.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie B2B-Pricing funktioniert, welche Preisregeln Sie berücksichtigen müssen und wie Sie mit einer klaren Preishierarchie, Margenuntergrenzen und einer passenden ERP-Integration verhindern, dass Rabatte unbemerkt zu Verlusten führen.
B2B-Pricing im Überblick
- B2B-Pricing ist komplexer als B2C, weil der Preis von Kunde, Volumen, Vertrag, Laufzeit und Vertriebskanal abhängen kann.
- Eine Preishierarchie bestimmt, welcher Preis gewinnt. Eine gängige Reihenfolge ist Aktionspreis, Vertragspreis, Kundenpreis, Gruppenpreis, Preissheet und Bruttopreis.
- Ein Preissheet ist ein alternativer Bruttopreis für eine bestimmte Kundengruppe. Eine Preisliste kann zusätzlich Staffelpreise, Rabatte, Laufzeiten und Kategorievereinbarungen enthalten.
- Artikelvereinbarungen gehen vor Kategorievereinbarungen. Ein Kategorierabatt greift nur, wenn keine individuelle Artikelvereinbarung vorhanden ist oder ausdrücklich eine zusätzliche Kombination erlaubt wird.
- Eine Untergrenze auf Basis des Einstandspreises schützt die Marge, wenn mehrere Rabatte miteinander kombiniert werden.
- Bei sehr komplexen oder häufig wechselnden Preisen können Preise in Echtzeit aus dem ERP abgerufen werden, statt sie regelmäßig auf die E-Commerce-Plattform zu synchronisieren.
- Der endgültige Bestellpreis besteht aus mehr als den Artikelpreisen. Zuschläge, Zahlungsgebühren und Lieferoptionen gehören ebenfalls zur Preislogik.
Was ist B2B-Pricing und warum ist es komplexer als B2C?
B2B-Pricing ist komplexer als B2C, weil es nicht den einen Preis für ein Produkt gibt. Die gleiche Packung Schrauben kann für Kunde A einen anderen Preis haben als für Kunde B. Und Kunde A kann ab fünfzig Stück wiederum einen niedrigeren Stückpreis erhalten als bei einer Bestellung von zehn Stück.
Der Preis ist also keine feste Zahl, sondern das Ergebnis mehrerer Regeln.
Fünf Faktoren machen die Preisberechnung im B2B besonders komplex:
- Kunde: Jeder Abnehmer kann eigene Preise, Rabatte oder Vertragsvereinbarungen haben.
- Volumen: Staffelpreise reduzieren den Stückpreis bei größeren Mengen.
- Laufzeit: Preisvereinbarungen haben einen Start- und Endzeitpunkt und können sich überschneiden.
- Kategorie: Rabatte gelten häufig für eine gesamte Produktgruppe statt für einzelne Artikel.
- Darstellung: Geschäftskunden rechnen in der Regel mit Nettopreisen, während Endkundenpreise inklusive Mehrwertsteuer angezeigt werden.
Gerade die letzte Unterscheidung wird häufig unterschätzt. Ein Einkäufer möchte seinen Nettopreis sehen und häufig gleichzeitig den Bruttopreis, um den gewährten Rabatt nachvollziehen zu können. Ein Händler, der Produkte wiederum in seinem eigenen Shop an Endkunden verkauft, möchte möglicherweise auf Verbraucherpreise inklusive Mehrwertsteuer umschalten.
Das sind keine unterschiedlichen Darstellungen desselben Preises, sondern unterschiedliche Berechnungslogiken.
Auch der Ausgangspunkt kann variieren. Wenn Sie mit mehreren Gesellschaften arbeiten, kann ein und derselbe Artikel je Unternehmen einen anderen Bruttopreis haben. Ein angezeigter „Ab-Preis“ für Verbraucher ist dagegen rein informativ und sollte nicht in die B2B-Preisberechnung einfließen.
Die eigentliche Komplexität liegt deshalb nicht in der Anzahl der Preise, sondern in der Anzahl und Kombination der Regeln.
Welche Preisstrategien gibt es im B2B?
Es gibt vier grundlegende Preisstrategien: Cost-Plus-Pricing, wettbewerbsorientiertes Pricing, wertorientiertes Pricing und Dynamic Pricing. Sie unterscheiden sich darin, wie der Ausgangspreis bestimmt wird. In der Praxis kombinieren viele Großhändler und Hersteller mehrere Modelle, beispielsweise abhängig von Produktgruppe oder Kundensegment.
| Modell | Preis basiert auf | Stark bei | Schwach bei |
|---|---|---|---|
| Cost-Plus | Einstandspreis plus Aufschlag | Stabilen Einkaufspreisen und einfacher Nachvollziehbarkeit | Schnell steigenden Einkaufspreisen und hochwertigen Produkten |
| Wettbewerbsorientiert | Preisniveau des Marktes | Vergleichbaren Artikeln und transparenten Märkten | Der eigenen Positionierung |
| Wertorientiert | Wert für den Kunden | Differenzierter Lieferung oder zusätzlichem Service | Commodity-Produkten ohne Differenzierung |
| Dynamic Pricing | Nachfrage, Kosten oder Verfügbarkeit | Schwankenden Einkaufspreisen und Restbeständen | Kunden mit festen Vertragsvereinbarungen |
Cost-Plus-Pricing
Beim Cost-Plus-Pricing wird der Einstandspreis um einen festen Aufschlag ergänzt. Das Modell ist einfach, nachvollziehbar und eignet sich besonders bei stabilen Einkaufspreisen.
Manche Kunden kaufen beispielsweise explizit auf dieser Basis: Sie erhalten einen vereinbarten Prozentsatz auf den Einstandspreis. Das Modell berücksichtigt allerdings nicht automatisch, welchen Wert eine Lieferung für den jeweiligen Kunden hat.
Wettbewerbsorientiertes Pricing
Beim wettbewerbsorientierten Pricing wird der eigene Preis anhand vergleichbarer Anbieter und Marktpreise bestimmt. Das funktioniert besonders gut bei Produkten, die einfach miteinander vergleichbar sind und deren Preise transparent am Markt verfügbar sind.
Der Nachteil: Das Unternehmen reagiert auf den Markt, statt die eigene Preispositionierung aktiv zu bestimmen.
Wertorientiertes Pricing
Beim wertorientierten Pricing richtet sich der Preis danach, welchen wirtschaftlichen Nutzen die Lieferung für den Kunden erzeugt. Das kann beispielsweise eine kürzere Lieferzeit, eine höhere Verfügbarkeit, weniger Ausfallzeiten oder einen geringeren eigenen Lagerbestand bedeuten.
Dieses Modell bietet häufig den größten Spielraum, setzt aber voraus, dass der zusätzliche Wert für das jeweilige Kundensegment nachvollziehbar gemacht werden kann.
Dynamic Pricing
Beim Dynamic Pricing verändert sich der Preis abhängig von Faktoren wie Nachfrage, Einkaufspreis, Verfügbarkeit oder Kundensegment. Im B2B erfolgt dies in der Regel regelbasiert und innerhalb festgelegter Grenzen.
Wichtig ist die Nachvollziehbarkeit. Wenn sich ein Preis verändert und der Einkäufer nicht erklären kann, warum, kann das Vertrauen in den Anbieter leiden.
Wie funktioniert eine Preishierarchie in der Praxis?
Eine Preishierarchie ist die feste Reihenfolge, in der ein System nach einem gültigen Preis sucht. Das System beginnt auf der höchsten Ebene und prüft, ob dort eine passende Preisregel vorhanden ist. Ist das nicht der Fall, geht es zur nächsten Ebene.
Die erste gültige Regel gewinnt.
Von Aktionspreis bis Bruttopreis
| Niveau | Was es ist | Wofür es verwendet wird |
|---|---|---|
| 1. Aktionspreis | Zeitlich begrenzter Preis | Kampagnen, solange der Preis niedriger ausfällt |
| 2. Vertrags-Preisliste | Feste Preise für eine begrenzte Anzahl von Artikeln | Hohe Abnahmemengen mit individueller Vereinbarung |
| 3. Kunden-Preisliste | Preise und Rabatte für einen einzelnen Kunden | Individuelle Vereinbarungen aus Verhandlungen |
| 4. Gruppen-Preisliste | Preise und Rabatte für eine Kundengruppe | Segmente wie kleine, mittlere und große Kunden |
| 5. Preissheet | Alternativer Bruttopreis für eine Kundengruppe | Andere Preisbasis, auf die Rabatte angewendet werden |
| 6. Bruttopreis | Standard-Listenpreis je Unternehmen | Ausgangspunkt der Preisberechnung |
Drei Regeln innerhalb dieser Hierarchie verdienen besondere Aufmerksamkeit.
- Der Kundenpreis hat Vorrang vor dem Gruppenpreis. Eine individuelle Vereinbarung muss eine allgemeine Segmentvereinbarung übersteuern können.
- Ein Aktionspreis greift nur, wenn er günstiger ist als der bestehende Kundenpreis. Alternativ kann festgelegt werden, dass ein Vertragspreis grundsätzlich Vorrang vor einer Aktion hat.
- Die erste Kunden-Preisliste kann die Währung des gesamten Warenkorbs bestimmen. Weitere Preise werden entsprechend umgerechnet.
Die konkrete Reihenfolge ist keine rein technische Entscheidung. Sie bildet Ihre kommerzielle Strategie ab. Deshalb sollte sie gemeinsam von Vertrieb, Pricing und E-Commerce definiert werden.
Produkt- versus Kategoriepreise
Innerhalb einer Preisliste können Vereinbarungen sowohl für einzelne Artikel als auch für gesamte Produktkategorien bestehen.
Das System prüft zunächst, ob eine Artikelvereinbarung vorhanden ist. Erst wenn dort keine passende Regel gefunden wird, kommt eine Kategorievereinbarung zum Einsatz.
Eine Kombination ist ebenfalls möglich, wenn bei einem Artikel ausdrücklich festgelegt wurde, dass ein zusätzlicher Rabatt angewendet werden darf.
Genau hier entsteht jedoch ein häufiges Margenrisiko: Ein Artikelpreis und ein Kategorierabatt können sich unbemerkt addieren. Wer diese Kombination zulässt, sollte deshalb genau definieren, wann sie gewünscht ist und welche Untergrenze gilt.
Wie schützen Sie Ihre Marge vor zu hohen Rabatten?
Eine der wichtigsten Regeln im B2B-Pricing ist eine harte Untergrenze auf Basis des Einstandspreises. Wenn mehrere Rabatte den berechneten Verkaufspreis unter den Einstandspreis drücken, wird die Untergrenze angewendet.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Bestellung blockiert oder der Rabatt abgelehnt wird. Die Berechnung verhindert lediglich, dass der Verkaufspreis unter den definierten Einstandspreis fällt.
Drei Punkte sind dabei wichtig:
- Halten Sie den Einstandspreis aktuell. Eine Untergrenze auf Basis eines veralteten Einkaufspreises schützt Ihre Marge nicht zuverlässig.
- Stellen Sie den Einstandspreis für die Preisberechnung zur Verfügung. Wenn der Wert nur im ERP vorhanden ist, aber die Preisberechnung auf einer anderen Plattform stattfindet, kann die Untergrenze dort nicht greifen.
- Testen Sie die Kombination von Preisregeln. Fragen Sie bei einer Plattformauswahl nicht nur, ob Staffelpreise unterstützt werden. Prüfen Sie, was passiert, wenn mehrere gültige Rabatte gleichzeitig auf einen Artikel angewendet werden.
Gerade diese letzte Prüfung wird in vielen Auswahlprozessen unterschätzt. Die meisten Systeme können einzelne Preisregeln abbilden. Entscheidend ist, wie sie sich in Kombination verhalten.
Contract Pricing: feste Vereinbarungen und garantierte Preise
Ein Abnahmevertrag kann einen festen Preis für eine bestimmte Menge innerhalb eines definierten Zeitraums festlegen. Der Kunde muss die vereinbarte Menge nicht in einer einzigen Bestellung abnehmen, sondern kann sie über mehrere Bestellungen verteilen.
Im Gegenzug erhält der Kunde Preis- und Planungssicherheit.
Gut umgesetzt funktioniert ein solcher Vertrag beispielsweise so:
- Der Kunde sieht den Vertrag auf der Produktseite, einschließlich Vertragspreis und verbleibender Menge.
- Der Kunde entscheidet selbst, ob er innerhalb des Vertrags bestellt oder außerhalb des Vertrags zum regulären Preis.
- Mehrere Verträge für denselben Artikel können parallel bestehen. Im Warenkorb kann der Artikel dann mehrfach mit der jeweiligen Preisquelle erscheinen.
- Bestellungen über die vereinbarte Vertragsmenge hinaus sind nicht möglich. Das System verfolgt die bereits abgenommene Menge und schließt den Vertrag automatisch ab.
Gerade die letzte Funktion ist wichtiger, als sie auf den ersten Blick erscheint. Wird die verbleibende Menge nicht automatisch erfasst, übernimmt häufig der Innendienst die Verwaltung in einer eigenen Tabelle. Früher oder später entstehen dadurch Fehler.
Ein Vertrag, dessen Verbrauch der Kunde selbst einsehen kann, reduziert gleichzeitig Rückfragen und Diskussionen.
Wann sollten Preise in Echtzeit aus dem ERP kommen?
Realtime Pricing bedeutet, dass die E-Commerce-Plattform den Preis im Moment der Abfrage aus dem ERP bezieht, anstatt ihn regelmäßig zu synchronisieren.
Dieser Ansatz eignet sich besonders bei sehr komplexen oder häufig wechselnden Preisstrukturen, bei denen die Synchronisation selbst zum Engpass wird.
| Preise synchronisieren | Realtime aus dem ERP | |
|---|---|---|
| Geeignet bei | Übersichtlichen und stabilen Preisen | Komplexen oder häufig wechselnden Preisen |
| Wichtigstes Risiko | Veraltete Daten und viele Preispunkte | Antwortzeit bei hoher Auslastung |
| Management | Synchronisation einrichten und überwachen | Schnittstelle und Performance überwachen |
| Quelle der Wahrheit | Plattform folgt dem ERP mit Verzögerung | ERP zum Zeitpunkt der Anfrage |
Die Zahl der möglichen Preispunkte wächst schneller, als viele Unternehmen erwarten. Bei fünfzigtausend Artikeln, achttausend Kunden und mehreren Preisregeln pro Kombination kann bereits eine einzige Vertragsänderung eine große Menge an Preisdaten betreffen.
Realtime Pricing kann dabei auf zwei unterschiedlichen Ebenen umgesetzt werden:
- Nur der Produktpreis kommt aus dem ERP. Die Warenkorb-Berechnung, Aktionen und Bestellrabatte bleiben auf der E-Commerce-Plattform.
- Die vollständige Berechnung erfolgt im ERP. Dazu gehören beispielsweise Mehrwertsteuer und Bestellzuschläge.
Die zweite Variante bietet maximale Konsistenz mit der kaufmännischen Administration, während die erste mehr Spielraum für kommerzielle Aktionen im Webshop lässt.
Realtime Pricing löst allerdings nur dann ein Problem, wenn die Preislogik vollständig und zuverlässig im ERP vorhanden ist. Wenn die Regeln auf ERP, Pricing-Tool und dem Wissen einzelner Account Manager verteilt sind, wird das Problem lediglich verschoben.
Deshalb sollte eine Realtime-Anbindung immer mit realistischen Daten getestet werden. Nicht nur eine Produktdetailseite muss schnell reagieren, sondern auch ein Warenkorb mit vielen Positionen und zahlreichen parallelen Sitzungen.
Warum besteht der Preis aus mehr als dem Artikelbetrag?
Der endgültige Bestellwert ist mehr als die Summe der einzelnen Artikelpreise. Auch Zuschläge und Rabatte auf Auftragsebene gehören zur Preislogik.
Beispiele sind:
- Kleinbestellzuschläge
- Kostenlose Lieferung ab einem bestimmten Bestellwert
- Zuschläge für bestimmte Zahlungsarten
- Rabatte ab einer bestimmten Bestellgröße
Diese Regeln sollten eindeutig definiert werden:
- Gelten sie für einen einzelnen Webshop oder für mehrere Shops?
- Können sie für bestimmte Kunden überschrieben werden?
- Gelten sie auch für Angebote?
- Werden sie als Betrag oder Prozentsatz berechnet?
- Bezieht sich die Berechnung auf den Brutto- oder Nettowert?
- Werden bereits reduzierte Artikel berücksichtigt?
- Wird der Zuschlag als eigene Position an das ERP übergeben?
Versandkosten sind ebenfalls Teil der Preislogik
Auch die verfügbaren Lieferoptionen hängen von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören beispielsweise Lieferadresse, Bestellwert, Gewicht und Volumen.
- Expresslieferung: Häufig abhängig von Entfernung und Versanddienstleister.
- Abholung: Abholung an einer Niederlassung oder einem bestimmten Standort.
- Paketshops: Auswahl eines Abholpunkts über die Anbindung an den Versanddienstleister.
- Dropshipment: Direkte Lieferung an den Kunden des eigenen Kunden.
Bei der Einrichtung sollten Sie auch Sonderfälle berücksichtigen. Lange oder schwere Produkte benötigen möglicherweise eine andere Versandregel als Standardpakete. Bei einem gemischten Warenkorb muss das System anhand definierter Prioritäten die richtige Lieferoption bestimmen.
Die Versandberechnung sollte zudem zweimal erfolgen: zunächst im Warenkorb als Orientierung und anschließend im Checkout, sobald die vollständige Lieferadresse bekannt ist.
Wann funktioniert Dynamic Pricing im B2B?
Dynamic Pricing eignet sich im B2B vor allem für Artikel mit stark schwankenden Einkaufspreisen oder für Bestände, die gezielt abverkauft werden sollen. Bei Kunden mit festen Vertragsvereinbarungen ist es dagegen weniger geeignet, weil gerade die Preisstabilität ein wichtiger Bestandteil des Vertrags ist.
Geeignet für:
- Artikel mit stark schwankenden Einkaufspreisen, beispielsweise Metalle oder Kunststoffe.
- Restbestände, saisonale Ausläufe und Artikel mit begrenzter Haltbarkeit.
- Neue Kunden ohne feste Preisvereinbarungen.
- Unterschiedliche Vertriebskanäle mit unterschiedlichen Margenzielen.
Weniger geeignet für:
- Kunden mit festen Vertragspreisen oder Abnahmeverträgen.
- Artikel, bei denen der Einkäufer mit einer festen eigenen Kalkulation arbeitet.
- Preisänderungen, die gegenüber dem Kunden nicht nachvollziehbar erklärt werden können.
Die praktische Regel lautet deshalb: Lassen Sie Preise innerhalb klar definierter Grenzen bewegen und halten Sie vertraglich zugesicherte Preise davon getrennt. Dynamic Pricing sollte ein Instrument für einen definierten Teil Ihres Sortiments sein und nicht die gesamte Preisstrategie ersetzen.
Wie entwickeln Sie eine B2B-Pricingstrategie?
Eine B2B-Pricingstrategie entsteht nicht allein durch die Definition einer Preisliste. Sie beginnt mit der Analyse der tatsächlich erzielten Preise und Margen, führt über Kundensegmente und eine klare Preishierarchie bis zur technischen Umsetzung und kontinuierlichen Kontrolle.
Besonders viel Marge geht dabei nicht durch die Standardpreise verloren, sondern durch Ausnahmen, alte Vereinbarungen und die Kombination mehrerer Regeln.
1. Analysieren Sie Ihre aktuellen Preise und Margen
Beginnen Sie mit den tatsächlich realisierten Preisen und nicht mit der theoretischen Preisliste. Vergleichen Sie pro Artikelgruppe und Kunde den Verkaufspreis mit Listenpreis und Einstandspreis.
Achten Sie insbesondere auf:
- Kunden mit Rabatten, die niemand mehr erklären kann.
- Artikel mit dauerhaft zu niedriger Marge.
- Preisvereinbarungen, die seit Jahren nicht überprüft wurden.
- Bestellungen, bei denen mehrere Rabatte kombiniert wurden.
- Artikel, deren Verkaufspreis unter dem Einstandspreis liegt.
2. Definieren Sie Kundensegmente
Segmentieren Sie Kunden anhand der Faktoren, die den Preis tatsächlich beeinflussen:
- Abnahmevolumen und Bestellhäufigkeit
- Benötigter Service und Betreuungsaufwand
- Strategische Bedeutung der Kundenbeziehung
- Kostenintensive Anforderungen wie Expresslieferungen oder hohe Verfügbarkeit
Ein Kunde, der regelmäßig große Mengen bestellt und seine Bestellungen selbstständig digital aufgibt, verursacht möglicherweise weniger Kosten als ein Kunde mit vielen kurzfristigen Bestellungen und hohem Betreuungsaufwand. Diese Unterschiede können Teil Ihrer Preisstrategie sein.
3. Bauen Sie eine klare Preishierarchie auf
Definieren Sie, welche Preisregel auf welcher Ebene liegt und halten Sie die einzelnen Ebenen möglichst sauber.
- Segmentpreise in der Gruppen-Preisliste
- Individuelle Vereinbarungen in der Kunden-Preisliste
- Volumenvereinbarungen in Verträgen
- Kampagnen in Aktionspreisen
- Eine klare Untergrenze auf Basis des Einstandspreises
- Die Kombination von Rabatten nur dort, wo sie ausdrücklich gewünscht ist
Je weniger Ausnahmen Sie in dieser Struktur benötigen, desto stabiler bleibt Ihre Preislogik.
4. Verbinden Sie ERP, CRM und E-Commerce
Ein Kunde sollte denselben Preis sehen, unabhängig davon, ob er anruft, eine E-Mail schreibt oder sich im Webshop einloggt.
Dafür muss klar definiert sein, welches System die Quelle der Wahrheit ist und wie die anderen Systeme diese Informationen übernehmen.
Entscheiden Sie unter anderem:
- Welche Preise synchronisiert werden und welche in Echtzeit abgefragt werden.
- Wie schnell eine neue Vertragspreisvereinbarung im Shop sichtbar wird.
- Was mit einem bereits angelegten Warenkorb passiert, wenn sich der Preis über Nacht ändert.
- Wie Angebote mit zwischenzeitlich geänderten Preisregeln umgehen.
Gerade diese Szenarien sollten vor dem Go-live eindeutig definiert und getestet werden.
5. Überwachen und optimieren Sie Ihre Preise
Eine einmal eingerichtete Preisstruktur bleibt nicht automatisch dauerhaft korrekt. Innerhalb weniger Jahre können neue Kunden, Verträge und Sondervereinbarungen wieder zahlreiche Ausnahmen erzeugen.
Definieren Sie deshalb einen festen Rhythmus:
- Überprüfen Sie quartalsweise die realisierte Marge pro Segment und Produktgruppe.
- Überprüfen Sie jährlich auslaufende Verträge und alte Sondervereinbarungen.
- Richten Sie Warnungen ein, wenn eine berechnete Preisregel die definierte Untergrenze erreicht.
- Definieren Sie klar, wer Preise ändern darf und ab welchem Rabatt eine zusätzliche Freigabe erforderlich ist.
Fazit: Eine gute Preishierarchie schützt Ihre Marge
B2B-Pricing ist keine einfache Preisliste. Der tatsächliche Verkaufspreis entsteht aus einer Kombination von Bruttopreis, Preissheets, Kunden- und Gruppenpreisen, Vertragspreisen, Staffelungen, Aktionen und weiteren Bestellregeln.
Genau deshalb kann eine technisch korrekte Preisberechnung trotzdem zu einem wirtschaftlich falschen Ergebnis führen. Im Beispiel vom Anfang hat der Webshop nichts falsch gemacht: Die vereinbarten zehn Prozent Rabatt wurden korrekt berechnet. Das Problem lag in der Kombination mit einer bereits bestehenden Vertragspreisregel.
Eine klare Preishierarchie, eine harte Untergrenze auf Basis des Einstandspreises und eine zuverlässige Verbindung mit dem ERP helfen, solche Situationen zu verhindern. Je komplexer Ihre Preislogik wird, desto wichtiger ist es, nicht nur einzelne Preisregeln zu unterstützen, sondern vor allem zu bestimmen, wie diese Regeln zusammenwirken.
Für Großhändler und Hersteller bedeutet das: Ihre Pricing-Strategie sollte nicht nur möglichst viele Preisvereinbarungen abbilden können. Sie sollte dafür sorgen, dass die richtige Vereinbarung zum richtigen Zeitpunkt greift und Ihre Marge dabei geschützt bleibt.
Häufig gestellte Fragen zu B2B-Pricing
Was ist B2B-Pricing?
B2B-Pricing ist die Preisbildung zwischen Unternehmen. Der Preis wird abhängig von Faktoren wie Kunde, Menge, Vertrag, Produktgruppe, Laufzeit und Aktionen berechnet. Im Gegensatz zum B2C gibt es deshalb häufig nicht einen festen Verkaufspreis pro Artikel.
Was ist eine Preishierarchie?
Eine Preishierarchie legt fest, in welcher Reihenfolge ein System verschiedene Preisregeln prüft. Je nach Konfiguration können beispielsweise Aktionspreis, Vertragspreis, Kundenpreis, Gruppenpreis, Preissheet und Bruttopreis berücksichtigt werden.
Was ist ein Preissheet?
Ein Preissheet ist eine alternative Preisbasis, beispielsweise ein anderer Bruttopreis für eine bestimmte Kundengruppe. Auf dieser Basis können anschließend weitere Rabatte oder Preisregeln angewendet werden.
Wie verhindert man, dass B2B-Preise unter den Einstandspreis fallen?
Eine definierte Untergrenze auf Basis des aktuellen Einstandspreises verhindert, dass der berechnete Verkaufspreis unter diesen Wert fällt. Besonders wichtig ist dies, wenn mehrere Rabatte miteinander kombiniert werden können.
Wann sollte B2B-Pricing in Echtzeit aus dem ERP kommen?
Realtime Pricing eignet sich besonders bei komplexen oder häufig wechselnden Preisstrukturen. Statt große Mengen an Preisen regelmäßig zu synchronisieren, fragt die E-Commerce-Plattform den aktuellen Preis zum Zeitpunkt der Berechnung aus dem ERP ab.
Was ist der Unterschied zwischen einer Artikel- und einer Kategorievereinbarung?
Eine Artikelvereinbarung gilt für einen bestimmten Artikel. Eine Kategorievereinbarung gilt für eine gesamte Produktgruppe. In einer typischen Preislogik hat die individuelle Artikelvereinbarung Vorrang vor der allgemeinen Kategorievereinbarung, sofern keine zusätzliche Kombination ausdrücklich erlaubt ist.